Steueränderungen 2015 – Regelungen im neuen Steuerjahr

Zum 1. Januar 2015 sind etliche Steueränderungen in Kraft getreten:

  •  neue Umsatzsteuerpflicht für die E-Commerce-Branche
  • höhere Freigrenzen für Arbeitsessen und Aufmerksamkeiten
  • Kirchensteuer auf Kapitalerträge
  • Gebrauchte Lebensversicherungen

Wir geben Ihnen einen Überblick über die Rechtsänderungen im neuen Steuerjahr.



Kirchensteuer auf Kapitalerträge - Automatische Erhebung seitens der Banken

Bereits in den ersten Monaten des Jahres 2014 haben die Geldinstitute ihre Kunden über die Änderungen bei der automatischen Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge ab 2015 informiert. Die Steueränderung gilt bei den derzeitigen Zinssätzen für Vermögen über 80.000 Euro. Seit 2009 führen Banken die Kapitalertragssteuer automatisch an die Finanzämter ab. Bisher konnte der Bankkunde allerdings selbst entscheiden, ob das Geldinstitut die Kirchensteuer einbehält oder ob der Kirchensteuerabzug über die Einkommenssteuererklärung erfolgt. Die Banken brachten die Kirchensteuer nur in Abzug, wenn der Kunde eine freiwillige Mitteilung machte. Das ist 2015 anders: Die für Vermögen über 80.000 Euro anfallende Kirchensteuer wird auch ohne Information automatisch mittels des elektronischen Abrufverfahrens abgezogen und an die Finanzämter weitergeleitet. Wahlmöglichkeiten gibt es für Steuerzahler nicht mehr.


Gebrauchte Lebensversicherungen -  Steuerpflicht für Todesfallleistung

Seit Beginn des Jahres 2015 besteht des Weiteren Steuerpflicht, wenn Versicherungskunden eine Todesfallleistung ihrer gebrauchten Lebensversicherung erhalten. Auf den erzielten Gewinn muss nun 25 Prozent Abgeltungssteuer entrichtet werden. Leistet eine Lebensversicherung Zahlungen im Todesfall, so sind die ausgezahlten Summen generell steuerfrei. Doch es kommt vor, dass Versicherungsnehmer ihre Verträge an andere Personen verkaufen. Der Gesetzgeber hat hier festgelegt, dass Käufer einer solchen gebrauchten Lebensversicherung ab 2015 der Steuerpflicht unterliegen. Der Gewinn errechnet sich aus der Differenz zwischen Kaufpreis samt gezahlter Prämien und der Versicherungssumme. 


Aufmerksamkeiten und Arbeitsessen - Höhere Freigrenzen 

Die neuen Lohnsteueränderungsrichtlinien (LStÄR) ab 2015 enthalten ebenfalls eine wichtige Neuregelung in Bezug auf die Entgeltabrechnung. Ab 1. Januar 2015 hat der Bundesrat die Freigrenzen für Aufmerksamkeiten und Arbeitsessen erhöht. Zu den Aufmerksamkeiten zählen Zuwendungen wie Blumen, Genussmittel oder Bücher für Arbeitnehmer - etwa zum Geburtstag oder zur Hochzeit. Bisher waren Aufmerksamkeiten bis zu einem Wert von 40 Euro steuerfrei, seit 2015 liegt die Freigrenze bei 60 Euro. Geldzuwendungen sind dagegen auch unter 60 Euro weiterhin steuerpflichtig. Auch für Arbeitsessen bis zu einer Höhe von 60 Euro werden weder Steuern noch Beiträge erhoben. Es handelt sich dann um ein Arbeitsessen, wenn der Arbeitgeber seine Mitarbeiter aufgrund eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes zu Speisen und Getränken einlädt oder lediglich ein Teilentgelt erhebt. 


Elektronische Dienstleistungen - Neue Mehrwertsteuerregelung

Ab dem 1. Januar 2015 gelten zudem die neuen Mehrwertsteuerregelungen für elektronische Dienstleistungen. Auch dann, wenn ein Onlineshop-Betreiber seinen Firmensitz im Ausland hat, muss er nun in Deutschland 19 Prozent Umsatzsteuer entrichten. Die Steueränderungen betreffen alle Inhaber von Online-Plattformen, die digitale Produkte wie E-Books, Download-Angebote, Hosting-Angebote oder Apps vertreiben und Geschäfte mit Privatkunden (B2C) abschließen. Die neue Mehrwertsteuerpflicht gilt für Leistungen, die der Kunde auf elektronischem Wege erhält. Nicht betroffen sind Online-Anbieter, die im B2B-Bereich tätig sind. In diesem Fall entfällt die Umsatzsteuerpflicht, da zwei Unternehmen den Kaufvertrag schließen. Die Neuregelungen gelten nicht nur für Deutschland, E-Commerce-Unternehmer müssen ab 2015 grundsätzlich in dem EU-Land Umsatzsteuer zahlen, aus dem ein Privatkunde kommt. 


Vorsorgeaufwendungen - Absetzbarer Betrag gestiegen 

Steuerzahler können ab 2015 überdies einen höheren Betrag bei den Vorsorgeaufwendungen geltend machen und in der Steuererklärung als Sonderausgabe absetzen. Der absetzbare Betrag wurde um 2 Prozent auf 80 Prozent angehoben. Absetzbar sind beispielsweise Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung oder für die berufsständische Versorgung von Freiberuflern, Ärzten oder Architekten. Da der steuerpflichtige Rentenanteil von 68 auf 70 Prozent gestiegen ist, sind lediglich 30 Prozent der ersten Jahresrente für Neubezieher steuerfrei. Diese Regelung betrifft alle Rentenjahrgänge ab 2015 - Bestandsrentner profitieren weiterhin von dem vorher festgelegten Steuerfreibetrag.