Reiserücktrittsversicherung: Kostenerstattung bei nicht möglicher Impfung

Bei der Reiserücktrittsversicherung kommt es immer darauf an, ob die Ursache des Rücktritts tatsächlich in den Versicherungsbedingungen genannten ist. Nur unter dieser Voraussetzung wird im Schadensfall die Stornierungsgebühr von vom Versicherer übernommen. Typische Beispiele, wann dies der Fall ist, sind unter anderem eine Erkrankung des Reisenden vor Urlaubsantritt oder der Tod eines nahen Angehörigen.

Einen strittigen Fall, bei dem es um die Leistungspflicht des Versicherers ging, musste vor geraumer Zeit das Oberlandesgericht Karlsruhe entscheiden. Es ging darum, dass ein Ehepaar eine kostspielige Urlaubsreise nach Südamerika nicht antreten konnte, weil der Ehemann eine Impfung gegen Gelbfieber nicht verträgt. Diese Impfung ist jedoch Pflicht, falls eine Reise nach Südamerika vorgenommen werden soll. Im Detail erfuhr der Mann im tropenmedizinischen Institut davon, dass er die Gelbfieberimpfung aufgrund seiner bestehenden Hühnereiweiß Allergie nicht vertragen würde.


Versicherer verweigerte Regulierung des Schadens


Der zuständige Versicherer, bei dem die Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen wurde, weigerte sich allerdings, die anfallenden Stornokosten zu übernehmen. Das wesentliche Argument des Versicherers lautete in diesem Fall so, dass Impfunverträglichkeit zwar in den geltenden Versicherungsbedingungen genannt sein. Dies würde aber nur für den Fall gelten, dass die Unverträglichkeit plötzlich und unerwartet auftreten würde. Da die Allergie des Mannes gegen Hühnereiweiß jedoch schon längere Zeit vorher bekannt gewesen sei, würde es sich demzufolge nicht um ein Ereignis handeln, welches als unerwartet bezeichnet werden kann. 


So sah es das Oberlandesgericht Karlsruhe


Das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 12 U 184/12) gab allerdings dem Versicherungsnehmer in diesem Fall recht. Dabei argumentierten die Richter so, dass der Betroffene zwar einerseits von seiner bestehenden Allergie wusste. Andererseits könne ihm jedoch nicht zugemutet werden, sich medizinisch so weit zu informieren, dass die Hühnereiweißallergie auch zu einer Unverträglichkeit der Gelbfieberimpfung führen würde. Daher wurde der Versicherer dazu verurteilt, die anfallende Stornierungsgebühr zu übernehmen.