Warum Banken Bausparverträge massenhaft kündigen

Der Bausparvertrag galt lange Zeit als sicheres Mittel, um Geld für eine Immobile zu bekommen oder es einfach anzusparen. Besitzer sogenannter Altverträge, Laufzeit länger als 10 Jahre, müssen aber schon seit einigen Monaten von diesem Gedanken Abschied nehmen.


Die Situation aus Sicht der Banken


Seit einigen Monaten kündigen immer mehr Bausparkassen Bausparverträge mit Kunden, die in den 1990ern Jahre gemacht wurden. Wenn sie 10 Laufzeit hatten, aber ein Darlehen bis heute nicht genutzt wurde, dann sind sie, so die Banken, eine Belastung ihrer Wirtschaftlichkeit und binden unnötig Geld, welches für andere Bausparer gedacht sei. Nach Meinung der Banken sei ein Bausparvertrag hauptsächlich zum Bau oder Erwerb einer Immobilie gedacht und nicht zum Sparen. Nach diesem Entscheid mussten bereits mehrere Tausend Bausparer ihre Hoffnung auf hochverzinste Anlagen begraben. Die Betroffenen erhalten ihre eingesparten Anlagen selbstverständlich ausgezahlt.


Verbraucherschützer sehen das so


Anders betrachten Verbraucherschützer die Sachlage. Für sie ist klar, dass die Banken versuchen, um die hohen Zinsen zu kommen, die Bausparern in den 1990ern versprochen wurden. Damals wurden viele Menschen mit dem Versprechen von 3-4 % Zinsen angelockt, ihr Geld anzulegen. Inzwischen ist das Zinsniveau aber gefallen. Trotzdem müssen die Banken die damals versprochenen Zinsen gewähren. Für sie ist das also ein Verlustgeschäft. Die teuren Kunden müssen weg!


Gerichte sind uneinig


Bereits 2014 hat das Landesgericht Mainz der Meinung der Banken zugesprochen. Ein Bausparer ist in erster Linie zum Bauen da. Wer das versprochene Darlehen nicht nehmen will, egal wofür, der widerspricht dem Sinn des Vertrags. Allerdings fehlt noch eine letzte Entscheidung in höherer Instanz. Verbraucherschützer planen, bis auf die höchste richterliche Ebene zu gehen. 
Das Urteil und das daraus folgende Verhalten der Banken schlagen auch in der Politik Wellen. Selbst die Bundesregierung erwägt nun, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, die das entstandene Chaos beseitigen soll. Die Idee einer zusätzlichen Klausel stehe im Raum, die es Banken rechtlich möglich mache, Kunden zu kündigen, die ihr Darlehen nicht in Angriff nehmen.
Für die Besitzer alter Bausparverträge bleibt daher erst einmal nur abwarten. Im Notfall steht der Gang vor ein Gericht oder die Möglichkeit einer Schlichtung offen. Auch die Nutzung des Bausparers ist immer noch möglich, z. B. für eine Renovierung oder einen Anbau.