Hilflosigkeit gegen Wirtschaftsauskunfteien muss nicht sein

Die Auskunftei Schufa kennt jeder, Creditreform vielleicht die Hälfte von uns, aber wie steht es um Bürgel oder Schimmelpfennig? Diese und andere Firmen sammeln so viele Daten wie nur irgend möglich über Unternehmen und Privatpersonen. Es geht dabei immer um die „theoretische Bonitätsprüfung“. Mit ihr wird angegeben, wie zahlungsfähig ein Bürger bzw. Unternehmen ist. Es handelt sich hierbei nur um eine Schätzung und jede Auskunftei arbeitet mit einem anderen Score-Verfahren. Dadurch besteht die Gefahr von Fehleinschätzungen und denen kann der Betroffene mit einer Selbstauskunft gezielt entgegenwirken. 

Das Scoring


Die Bewertungskriterien variieren und den richtigen Durchblick haben vermutlich nur die Mitarbeiter der Auskunfteien. Schlecht für den zu Prüfenden, denn der fühlt sich hoffnungslos dem Scoring ausgesetzt. Immerhin entscheidet es über die Zusage zur Finanzierung, einen Kredit oder ähnliches Finanzprodukt. Auch bei Geschäftsabschlüssen zwischen zwei Unternehmen wird sich häufig der Wirtschaftsauskunft bedient, um zu erkunden, ob er Partner liquide genug ist. 
Es mangelt an Transparenz, auch wenn der Gesetzgeber mit § 29 b BDSG ein wenig mehr Klarheit verschaffte. Das Verfahren zur Berechnung des Scoring muss mathematisch fundiert erfolgen und nachvollziehbar sein. Bloße Willkür und Intuition sind verboten. Generell ist auch anzuzweifeln, dass man mit einer simplen Ansammlung von möglichst vielen Daten und dem daraus resultierenden Score-Wert eine sinnvolle Aussage über die Bonität treffen kann.
Wie das Scoring schlussendlich zustande kommt, versuchen die Auskunfteien als Firmengeheimnis zu bewahren. Wie einzelne Datensätze gewichtet werden, das muss die Auskunftei nicht preisgeben. (dies bestätigte sogar der BGH, Urteil v. 28.1.2014, VI ZR 156/13)

Kostenfreie Selbstauskunft anfordern


Um erste Anhaltspunkte über die getroffene Beurteilung zu erhalten, hat der Betroffene jederzeit die Möglichkeit eine kostenlose Selbstauskunft zu beantragen. Diesen Anspruch hat der Gesetzgeber mit § 34 BDSG geregelt. In diesem Atemzug sollte auch sogleich die konkrete Herkunft der gesammelten Daten gefordert werden. Denn nur damit haben Firmen bzw. Privatpersonen die Möglichkeiten mit den Herausgebern der Daten zu kommunizieren. Etwa um eine Lösung zu finden und das Scoring zu verbessern oder um bei Uneinsichtigkeit Schadensersatzansprüche zu stellen. 
Einen weiteren Engpass gibt es dann leider bei der Auskunft über säumige Zahlungen. Der § 28 a BDSG schränkt diese Forderung ein und erlaubt die Weitergabe der Informationen nur in bestimmten Fällen. Oft muss man sich hier eines rechtsgültigen Urteils bedienen. 

Fazit

Während noch an einer EU-einheitlichen Regelung für Auskunfteien gearbeitet wird, hat der Betroffene in einem gewissen Rahmen das Recht zur kostenlosen Selbstauskunft. Mit diesen gewonnenen Daten kann er dann erkennen, wer ihm das schlechte Scoring verursacht hat und ob dieses überhaupt gerechtfertigt ist. Vollständige Transparenz wird er dabei leider nicht erhalten, zumindest nach aktuellem Gesetz nicht. Aber hilflos steht man den Auskunfteien und deren Daten-Sammelwut nicht gegenüber, wie es der Volksmund immer so oft behauptet.