Widerrufsrecht für Baukredite könnte Mitte 2016 entfallen

Alle Kreditnehmer, die zwischen Ende 2002 und 2010 einen Immobilienkredit abgeschlossen haben, hatten bisher die Möglichkeit, bei einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung den Vertrag zu widerrufen. Über 80 Prozent der in diesem Zeitraum abgeschlossenen Baukredite war tatsächlich von einer solch fehlerhaften Widerrufsbelehrung betroffen.

Eben dieses Widerrufsrecht soll jetzt nach dem Willen der Regierung wegfallen, und zwar voraussichtlich schon ab Mitte des kommenden Jahres (2016).

Daher ist es für die betroffenen Kreditnehmer wichtig, sich jetzt richtig zu verhalten und einige Schritte zu unternehmen:


Status quo ermitteln und Kreditvertrag widerrufen


Zunächst einmal sollten Kreditnehmer, die zwischen November 2002 und 2010 einen Baukredit abgeschlossen haben, ermitteln lassen, ob sie überhaupt von einer falschen Widerrufsbelehrung betroffen sind. Da das Thema für den Laien meistens zu komplex ist, ist es empfehlenswert, sich diesbezüglich beispielsweise - gegen eine geringe Gebühr - an eine Verbraucherzentrale zu wenden. Sollte diese feststellen, dass die Widerrufsbelehrung fehlerhaft oder falsch ist, geht es im zweiten Schritt darum, dass umgehend ein neues Angebot eingeholt wird, falls der Kreditvertrag noch läuft. Dabei ist zu beachten, dass der neue Baukredit natürlich nur über die Höhe der aktuellen Restschuld aufgenommen werden muss. Erst nachdem ein neues Immobiliendarlehen gefunden wurde, sollte der bestehende Vertrag schriftlich beim aktuellen Kreditgeber widerrufen werden.


Vorgehensweise bei auftretenden Problemen


Es wird definitiv nicht jede Bank sein, die den erhaltenen Widerruf problemlos akzeptiert. Zwar ist die Rechtslage in diesem Bereich mittlerweile eindeutig. Jedoch ignorieren manche Kreditinstitute den Widerruf oder teilen dem Kunden mit, dass sie einer anderen Auffassung sind. In diesem Fall bleibt dem betroffenen Kreditnehmer nichts anderes übrig, als den Sachverhalt einem Anwalt zu übergeben. Zuvor sollte unbedingt die Rechtsschutzversicherung (falls vorhanden) kontaktiert werden, um eine Deckungszusage einzuholen. Allerdings ist zu beachten, dass die Versicherung diesen Rechtsschutz nicht immer gewährleisten wird. Sollte keine Rechtsschutzversicherung vorhanden sein oder diese aufgrund der Sachlage keine Deckungszusage gegeben, ist das relativ hohe Kostenrisiko zu beachten.

Es haben übrigens nicht nur betroffene Kreditnehmer, bei denen das entsprechende Baudarlehen noch läuft, die Möglichkeit der Rückforderung. Darüber hinaus ist das Recht auch aufseiten der Kunden, die ihr Darlehen bereits vorzeitig gekündigt haben. Diese Darlehensnehmer haben die Möglichkeit, zu dieser Zeit eine voraussichtlich gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung ebenfalls zurückzufordern.

Weitere Informationen zum Thema Baukredit finden Sie auf baufinanzierungsberatung.com.