Autoversicherung - der Preis ist nicht alles!

Am gestrigen Montag endete für die meisten Kfz-Halter die ordentliche Kündigungsfrist für die Autoversicherung, falls zum Vertragsende am 31.12. gekündigt werden sollte. Dennoch haben nach wie vor diverse Versicherungsnehmer unter bestimmten Voraussetzungen ein Sonderkündigungsrecht, welches beispielsweise bei angekündigten Beitragserhöhungen genutzt werden kann. So sinnvoll ein Vergleich der Angebote im Bereich der Autoversicherung einerseits ist, sollte allerdings auf der anderen Seite beachtet werden, dass der möglichst geringe Preis nicht der alleinige Entscheidungsfaktor sein darf. Dass es insbesondere auf die Leistungen und auf Vertragsklauseln ankommt, zeigen diverse Beispiele in der Praxis.


Verminderte Kasko-Zahlung kann bei Nichteinhaltung der Werkstattbindung 


Ein wichtiger Teil der Autoversicherung besteht in der Teilkasko- bzw. Vollkaskoversicherung, die solche Schäden reguliert, die am eigenen Fahrzeug des Versicherungsnehmers entstehen. Die jeweiligen Vertragsklauseln sind allerdings nicht nur viele Seiten lang, sondern enthalten teilweise schwer zu erkennende, aber sehr wichtige, Details. 

Ein Beispiel zeigt sich beim bekannten Versicherer HUK-Coburg: Der Versicherer hatte seine allgemeinen Geschäftsbedingungen bei sogenannten Kasko-Select-Verträgen, die mit einer Werkstattbindung versehen sind, 2014 zulasten des Versicherungsnehmers angepasst. Lange Zeit war es so, dass der jeweilige Versicherungsnehmer sein Fahrzeug nur bei einer Werkstatt reparieren lassen durfte, die dem speziellen Werkstattnetz der HUK-Coburg angehörte, falls er eine Kostenübernahme durch die Kaskoversicherung angestrebt hat. War dies nicht der Fall, drohte ein Abzug von 15 Prozent der anfallenden Reparaturkosten. 2014 konnte die HUK-Coburg darüber hinaus, bei Nichteinhaltung dieser Bedingung bezüglich der Werkstatt, die Regulierung des Kaskoschaden komplett ablehnen. Die HUK-Coburg hat zwar diese Klausel wieder auf den vorherigen Stand gebracht (Abzug von 15 Prozent), jedoch haben diese Idee einige andere Versicherungen übernommen.
Auch wenn der Kasko-Select der HUK-Coburg maximal 15 Prozent weniger Leistung vorsieht, etwa weil vielleicht ein fremdfinanziertes Auto in die Fachwerkstatt muss, bleibt ein Nachteil für den Kunden immer bestehen: Er kann nicht sicher sein, dass die Reparatur bei einer der Vertragswerkstätten des Versicherers die fachlich beste Lösung darstellt.



Keine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse bei einem Schaden


Die möglichen Nachteile durch eine Werkstattbindung sind nur ein Beispiel dafür, dass der Preis bei der Wahl der Autoversicherung nicht alles ist. Ein weiteres Praxisbeispiel zeigt sich im Zuge der Vollkaskoversicherung, bei der es bekanntlich Schadensfreiheitsklassen gibt. In vielen Fällen ist es jedoch so, dass der Versicherer nach einem gemeldeten Schadensfall eine Rückstufung von einer oder sogar mehrerer Schadenfreiheitsklassen vornimmt. Dies kann für den Versicherungsnehmer dazu führen, dass die jährliche Prämie zur Vollkaskoversicherung teilweise um 50 oder mehr Prozent ansteigt. Um dies zu vermeiden, bietet es sich an, gezielt nach speziellen Kasko-Tarifen Ausschau zu halten. Es gibt nicht wenige Versicherer, die in der Vollkaskoversicherung einen sogenannten Rückstufungsschutz anbieten. Die Versicherung ist dann zwar etwas teurer, aber nach dem ersten gemeldeten Schaden erfolgt keine sonst übliche Rückstufung in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse, sodass der Versicherungsnehmer im Endeffekt Kosten einsparen kann.


Vollkaskoversicherung mit Erstattung des Neuwertes


Ganz besonders wichtig ist die Vollkaskoversicherung bekanntlich für Neuwagen, da die Fahrzeuge noch einen sehr hohen Wert haben. Da es sich vom Grundsatz her bei der Kaskoversicherung allerdings um eine Autoversicherung handelt, die im Fall eines Diebstahls bzw. Totalschadens lediglich den aktuellen Zeitwert des Fahrzeuges ersetzt, gilt es für Kunden auch in dieser Hinsicht, einen Vergleich der Angebote durchzuführen. Bei manchen Tarifen ist es nämlich so, dass die Vollkaskoversicherung beinhaltet, dass der Neuwagen innerhalb eines gewissen Zeitraums nach Erstzulassung mit dem angegebenen Kaufpreis versichert ist. Konkret heißt das, falls beispielsweise nach 13 Monaten ein Vollkaskoschaden entsteht, würde der Versicherer nicht nur den dann aktuellen Zeitwert ersetzen, sondern den Neuwert des Fahrzeuges. Diesbezüglich sollten Versicherungsnehmer darauf achten, für welchen Zeitraum diese Neuwertversicherung im Zuge der Vollkaskoversicherung ab der Erstzulassung gilt. Hier gibt es mich durchaus Unterschiede, sodass manche Tarife eine Neuwertversicherung für einen Zeitraum von lediglich 12, andere für 18 oder sogar 24 Monate anbieten.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Vergleiche im Bereich der Autoversicherungen hinsichtlich des Jahresbeitrags zwar sinnvoll sind. Jedoch sollte der Versicherungsbeitrag keinesfalls das einzige Entscheidungskriterium sein. Vielmehr ist es wichtig, auf die Leistungen sowie Vertragsdetails der jeweiligen Versicherungstarife zu achten und hier im Detail zu überprüfen, welche Vor- und Nachteile sich ergeben können.