Teilkrankschreibung zur Kostensenkung bei den Krankenkassen?

In näherer Zukunft könnte es beim Krankengeld eine wichtige und wegweisende Änderung geben. Derzeit sind es mehrere Experten, die insoweit eine Reform fordern, als dass zukünftig Teil Krankschreibungen möglich sein sollen. Diese würden dazu führen, dass sich die Kosten im Bereich der Krankenkassen erheblich vermindern lassen. Ein weiterer Grund dafür, dass die Forderung nach Teil-Krankschreibungen immer lauter wird, besteht darin, häufiger auftretende Ungleichbehandlungen in diesem Bereich abzubauen.


Ausgaben der Krankenkassen beim Krankengeld auf hohem Niveau


Ein Hintergrund für die Forderung nach Teil-Krankschreibungen ist definitiv, dass sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen auf einem extrem hohen Niveau im Bereich des Krankengeldes bewegen. Innerhalb der vergangenen acht Jahre sind die Kosten in diesem Segment von rund 5,7 Milliarden Euro auf über 10 Milliarden Euro angestiegen und haben sich demzufolge fast verdoppelt. Mittlerweile nimmt die Zahlung des Krankengeldes einen Anteil an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen von rund fünf Prozent ein. Die vom Bundesgesundheitsminister in Auftrag gegebene Untersuchung durch einen Sachverständigenrat hat nun ergeben, dass es grundlegende Änderungen geben müsse, was das Krankengeld angeht.


Krankschreibung mit Zahlung von Teil-Krankengeld soll möglich sein


Der wohl wichtigste Vorschlag, den die Expertenkommission jetzt macht, beinhaltet eine Reform des Krankengeldes. Diese Reform soll vor allem dazu führen, dass es zukünftig möglich ist, dass Arbeitnehmer teilweise krankgeschrieben werden. Dies wäre eine grundlegende Änderung, denn bisher haben Ärzte ausschließlich die Möglichkeit, den betroffenen Patienten entweder komplett oder gar nicht für arbeitsunfähig zu erklären. Dabei wäre es in der Praxis sogar relativ häufig möglich, dass die Genesung auch mit einer begrenzten Anzahl von Stunden pro Tag zu realisieren ist. 

Demzufolge schlägt die Expertenkommission vor, dass es zukünftig auch Krankschreibungen zu 25 bis 75 Prozent geben solle. Wer beispielsweise zu 50 Prozent krankgeschrieben ist, der müsste während dieser Zeit zum Beispiel nur 20 statt der üblichen 40 Stunden in der Woche arbeiten und könnte damit dennoch zur eigenen Genesung beitragen. Wichtiges Teilelement ist zudem, dass der Arbeitgeber im Zuge einer solchen Teil-Krankschreibung einen verminderten Lohn zahlt, während die Krankenkassen die Lücke mit dem zu zahlenden Teil-Krankengeld zumindest zum großen Teil schließen.


Weitere Maßnahmen werden empfohlen


Die Expertenkommission empfiehlt allerdings nicht nur die Einführung von Teil-Krankschreibungen, sondern noch weitere Maßnahmen. Dazu gehört insbesondere, dass befristete Arbeitsverhältnisse im Bereich der Zahlung des Krankengeldes auf ein Niveau vermindert werden, welches derzeit fürs Arbeitslosengeld gilt. Dies soll auf alle Arbeitsunfähigkeiten zutreffen, die sich über einen längeren Zeitraum als die Befristung hinziehen. Auch diese Maßnahme soll in erster Linie dazu führen, dass die Kosten der Krankenkassen reduziert werden.


Fazit: Einführung der Teil-Krankschreibungen durchaus sinnvoll


Nicht nur die Expertenkommission, sondern auch andere Fachleute sind sich darüber einig, dass die Einführung der Teilkrankschreibung durchaus sinnvoll ist. Immerhin gibt es zahlreiche Erkrankungen und Krankheitsverläufe, in denen der Betroffene nicht zwangsläufig komplett arbeitsunfähig ist und Zuhause bleiben muss, sondern es bereits ausreichen würde, wenn beispielsweise die tägliche Arbeitszeit von acht auf vier Stunden reduziert würde. 
Da zudem die Kosten der Krankenkassen durch die Maßnahme deutlich verringert werden können, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Einführung des Teilkrankengeldes schon im kommenden Jahr erfolgen könnte.