Berufsunfähigkeitsversicherung in der Kritik

Neben Lebens-, Haftpflicht-, Unfall- und Hausratversicherungen zählt die Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU) seit langer Zeit zu den Bestsellern der Versicherungsbranche. Gerade bei Berufseinsteigern werden die Policen stark beworben – und fast immer führt das zum gewünschten Erfolg und zum Vertragsabschluss. Doch was steckt eigentlich hinter der Berufsunfähigkeitsversicherung? Und für wen macht sie wirklich Sinn?

Berufsunfähigkeitsversicherung als Schutz vor Verdienstausfällen


Im Idealfall arbeitet ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin bis zur Altersrente. Unabhängig vom jeweiligen Arbeitgeber ist dieses Szenario weit von der tatsächlichen Wirklichkeit entfernt, denn: Immer mehr Arbeitnehmer sind bereits vor dem Erreichen des Rentenalters gesundheitlich so eingeschränkt, dass sie ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können.
Wem die Arbeitskraft verloren geht, der hat kein Einkommen mehr. Die staatliche Erwerbsminderungsrente ist eigentlich dazu gedacht, diesen Ausfall aufzufangen – übernimmt aber nur einen geringen Teil vom fehlenden Lohn. Daher ist es notwendig, für den Ernstfall vorzusorgen – nicht in einem eigens angelegten Sparstrumpf, sondern über eine sogenannte Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie soll genau dann greifen, wenn der Arbeitnehmer „seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.“ (§ 172 II VVG). Unerheblich ist bei der Berufsunfähigkeitsversicherung der Grund, warum es überhaupt dazu gekommen ist – ausgeschlossen ist selbstverständlich die vorsätzlich herbeigeführte Berufsunfähigkeit. 

Klingt alles gut, gestaltet sich in der Praxis aber eher schwierig, denn: Die Statistik zeigt, dass in vielen Fällen die Versicherungen versuchen, die vertraglich vereinbarten Leistungen im Schadensfall zu umgehen. 


Die Berufsunfähigkeitsversicherung in der Kritik


Eine Analyse von Fallakten hat in der jüngsten Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen: Immer öfter werden Versicherte um die ihnen eigentlich zustehenden Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung gebracht. Die Quote für anerkannte Versicherungsfälle liegt demnach nur bei rund 70 Prozent – immerhin 30 Prozent finden demnach keine Anerkennung: Fraglich ist, ob diese Fälle tatsächlich unberechtigt sind oder ob diese nur durch die Versicherungen keine Berechtigung erfahren. Ein großer Faktor spielen dabei die Gutachten, mit denen die Versicherungen argumentieren, denn: Nur bei einer festgestellten Berufsunfähigkeit von 50 Prozent oder mehr greift die Berufsunfähigkeitsversicherung vollumfänglich. Es liegt auf der Hand, dass auch hier einige Versicherungsgeber versuchen, sich um die Leistungspflicht zu drücken, indem Gutachter nur selten eine Berufsunfähigkeit über 50 Prozent bescheinigen. 
Ein weiterer Kritikpunkt trifft die überaus lange Bearbeitungszeit der Versicherungsfälle. Hier müssen Versicherte zum Teil mit monatelangen Verfahren rechnen – eine Zeit, in der die oben erwähnten Verdienstausfälle nicht aufgefangen werden. 


Wichtige Informationen für Versicherte


Daher ist vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ein Blick in die AGB des Versicherungsgebers nicht nur empfohlen, sondern unumgänglich. Hier finden sich oftmals Klauseln, die im Ernstfall einen Ausstieg aus der Leistungspflicht des Versicherers erleichtern – daher heißt es hier „Augen auf!“. Ein ebenfalls wichtiger Punkt ist die wahrheitsgemäße Beantwortung der Gesundheitsfragen: Auch kleine Schummeleien können im Fall des Falles im Ausschluss der Leistungspflicht enden. Übrigens können bestimmte Erkrankungen schon im Vorfeld dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung entgegenstehen: So lässt sich insbesondere bei chronischen Krankheiten wie Diabetes nur schwer ein Versicherungsgeber finden. 

Wer sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung interessiert, tut gut daran, sich vor dem Abschluss umfassend zu informieren. Auf https://www.dread-disease.org/ zum Beispiel, finden Sie weitere Informationen.